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„Close“-Filmabend am 10. September im LiWu. über Suizidprävention

Rostock-Kröpeliner-Tor-Vorstadt (HRPS) • Anlässlich des Welttages der Suizidprävention wird am Dienstag, 10. September 2024, um 19 Uhr im LiWu.-Kino in der FRIEDA 23 der Film ,,Close" (Belgien, Niederlande, Frankreich, Regie: Lukas Dhont, 2022, 105 min) gezeigt. Darüber informiert Dr. Antje Wrociszewski, Koordinatorin für Sucht und Psychiatrie im Gesundheitsamt. Das Jugenddrama betrachtet die Entwicklung und die Konsequenzen einer persönlichen Katastrophe, die sich ereignet, als der ungewöhnlich engen Freundschaft zweier Jungen am Anfang der Pubertät von Mitschülern ein homosexueller Hintergrund unterstellt wird. Die europäische Koproduktion gewann eine Reihe internationaler Film- und Festivalpreise und wurde im Jahr 2023 als belgischer Oscar-Kandidat in der Kategorie Bester internationaler Film nominiert.

Im Anschluss ist ein offener Dialog mit Prof. Dr. Oliver Tucha (Leitender Psychologe, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Rostock), Sabrina Männel (Leiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge Rostock) und dem Polizei- und Notfallseelsorger Thomas Cremer geplant.

Das Nationale Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) und die Deutsche Akademie für Suizidprävention (DASP) haben Ende 2023 eine Übersicht über die aktuellen Suizidzahlen für das Jahr 2022 herausgegeben. Die Anzahl der Suizide ist um 9,8% (904 Fälle) auf 10.119 gestiegen. Damit liegt die Anzahl der Suizide erstmals seit 2015 wieder über 10.000. Auf diese Weise sterben deutlich mehr Menschen als etwa durch einen Unfalltod (rund 3.000 Menschen) oder den Konsum illegaler Drogen (rund 1.000 Menschen). Bezüglich des Alters zeigt sich, dass fast drei Viertel aller Suizide (73,4%) auf über fünfzigjährige Personen entfallen. Die Anzahl der Suizide bei jungen Menschen bleibt niedrig. Es gibt keinen Hinweis auf vermehrte Suizide junger Menschen in Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie. Weit mehr als 100.000 Menschen erleiden so jedes Jahr den Verlust eines nahestehenden Menschen durch Suizid.

Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede im Suizidgeschehen. Im Jahr 2022 hatten Sachsen (17,2) und Sachsen-Anhalt (16,3) die höchsten Suizidziffern. Am stärksten gestiegen ist sie in Brandenburg und Hamburg (um jeweils 2,4). Bremen (9,0) und Nordrhein-Westfalen (9,0) haben die niedrigste Suizidziffer. Nur in Thüringen (-2,5) und im Saarland (-0,9) gab es einen Rückgang der Suizidziffer. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Suizidrate bei 14,2 auf 100.000 Einwohner.

Um die Öffentlichkeit auf die weitgehend verdrängte Problematik der Suizidalität aufmerksam zu machen, wird alljährlich der Welttag der Suizidprävention veranstaltet, der 2003 erstmals von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufen wurde. Prävention suizidalen Verhaltens ist nach Auffassung der Weltgesundheitsorganisation WHO ein vordringliches gesundheitspolitisches Anliegen und damit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, welche nur ressortübergreifend wahrgenommen werden kann.

Wirksam ist Suizidprävention überwiegend dort, wo Menschen miteinander in Beziehung stehen. Ein nationales Suizidpräventionsprogramm kann dazu befähigen, auf die Suizidproblematik einzugehen und wirkungsvolle, regional angepasste Strukturen für eine bessere Primärprävention (allgemeine suizidpräventive Maßnahmen), sekundäre Prävention (Erkennung und Behandlung suizidgefährdeter Menschen) und tertiäre Prävention (Versorgung von Personen nach einem Suizidversuch) zu schaffen.

Jeder, der Hilfe sucht, sollte unkompliziert und schnell qualifizierte Hilfe finden können.

Egal, in welcher Rolle wir stecken – selbst in eine suizidale Krise zu geraten oder einen Menschen durch einen Suizid zu verlieren, gehört mit Sicherheit zu den radikalsten und schmerzlichsten Erfahrungen, die ein Mensch in seinem Leben machen kann.

Dazu kommt noch die Stigmatisierung und Tabuisierung des Themas. Hier hat sich in den letzten Jahren zwar schon einiges getan – am Ziel ist unsere Gesellschaft aber noch lange nicht.

[strong]Bei welchen Anzeichen das Umfeld hellhörig werden sollte[/strong]

Lebenskrisen entstehen nicht spontan – sie entwickeln sich. Es gibt Situationen im Leben, die für alle Menschen schwer zu bewältigen sind – Trennungen, Einsamkeit, der Tod eines geliebten Menschen, Kränkungen, Arbeitsplatzverlust und damit verbundene finanzielle Sorgen und Sinnkrisen, körperliche oder seelische Schmerzen, Ängste, Scham, Krieg. Auch das Gefühl, nicht verstanden zu werden oder zu glauben, einen anderen Menschen schwer zu belasten oder enttäuscht zu haben, nagt an uns allen. Die Frage ist, wie der oder die Einzelne damit umgeht. Werden aktiv Hilfsangebote gesucht, etwa eine Psychotherapie oder eine Selbsthilfegruppe? Hat ein Mensch ein soziales Umfeld, das auch in schwierigen Lebenssituationen unterstützend zur Seite steht? Wer den Eindruck hat, dass bei einem Menschen im eigenen Umfeld all dies nicht der Fall ist, sollte hellhörig werden.

[strong]Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich den Eindruck habe, jemand könnte suizidgefährdet sein?[/strong]

Die wichtigste Regel ist: Sprechen Sie den Menschen an. Erkundigen Sie sich nach der Gefühlslage, fragen Sie, ob es Menschen gibt, die ihn oder sie in der jeweiligen Krise begleiten. Bieten Sie sich als Gesprächspartner an. Machen Sie auf Hilfsangebote aufmerksam und die Möglichkeit, bei akuter Gefahr eine Klinik aufzusuchen. Natürlich kommt es hier stark darauf an, wie nahe man sich steht. Klar ist aber: Schweigen hilft nicht.

Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Gesundheit & Soziales | Mi., 21.01.1970 - 00:07 Uhr | Seitenaufrufe: 0
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