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Zweite Sturmflut in 2019 – Backhaus warnt vor Steilküstenabbrüchen

Rostock (MLUV) • "Auch von der zweiten Sturmflut diesen Jahres geht keine Gefahr für die durch die Küstenschutzanlagen gesicherten Ortschaften des Landes aus", betonte der zuständige Minister Dr. Till Backhaus heute in Rostock-Warnemünde, wo er sich von der Situation vor Ort ein Bild machte.

"Die Dünenabtragungen der Sturmflut vom 2. Januar haben den Strand und Vorstrandbereich mit Sand aufgefüllt. Dadurch wird die Energie der auf den Strand laufenden Wellen bereits vor Erreichen des Dünenfußes abgebaut. Da zudem die Wasserstände geringer sind, wird es höchsten lokal zu weiteren geringen Dünenabtragungen kommen. An den Steilufern sind erneute Abbrüche möglich. Von Sparziergängen in diesen sensiblen Bereichen rate ich daher dringend ab", sagte er weiter.

Nach aktueller Einschätzung werden die Höchstwasserstände etwa 50 cm niedriger ausfallen als bei der Sturmflut am 2. Januar. In Wismar steht der Pegel derzeit bei 135 cm, in Warnemünde 110 cm und in Greifswald 100 cm über Mittelwasser. Sie liegen damit in der Größenordnung der Sturmflutvorhersage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrologie Momentan stagnieren oder fallen die Wasserstände. Die Sperrwerke in den Hochwasserschutzanlagen sind geschlossen.

Durch die bisherigen zwei Sturmfluten in 2019 sind an allen Küstenabschnitten Dünenausräumungen und Steiluferrückgänge zu verzeichnen. "Insgesamt kann aber eingeschätzt werden, dass die Rückgänge nicht die Werte der Sturmflut von 2017 erreicht haben, obwohl die eingetretenen Wasserstände, deren Dauer und die Seegangsbelastung etwa gleich waren. Das dürfte insbesondere daran liegen, dass der bei der Sturmflut 2017 aus den Dünen und Steilufern umgelagerte Sand noch in erheblicher Größenordnung im ufernahen Bereich vorhanden war und dadurch die Belastung reduziert wurde", erklärte Minister Backhaus.

Die größten Rückgänge an den von den Mitarbeitern der Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt kontrollierten Landesküstenschutzdünen seien an den Dünen in Schwarzer Busch auf Poel, in Rerik, in Ahrenshoop, Prerow, Göhren und Lubmin festgestellt worden. "Die Ausräumungen betragen lokal bis zu 8 Metern. Damit verbunden sind Dünenkliffs von bis zu 4 Metern Höhe. Die Ämter werden die Kliffs mit mehr als 2 Metern Höhe an den Landesküstenschutzdünen zur Gefahrenabwehr abböschen", so Minister Backhaus.

Dünenabschnitte mit starkem Abtrag würden vermessen (Schwarzer Busch, Rerik, Börgerende, Hohe Düne, Markgrafenheide, Graal-Müritz, Neuhaus, Dierhagen bis Wustrow, Ahrenshoop (Westdarß), Lubmin, Göhren, Koserow, Stubbenfelde/Kölpinsee). Aufgrund der insgesamt geringeren Umlagerungen sei eine Laserscanbefliegung, wie nach der Sturmflut 2017 erfolgt, diesmal aber nicht angezeigt.

Sinn der Vermessungen sei es festzustellen, ob die Dünen noch einen Verschleißteil aufweisen oder dieser bereits vollständig umgelagert ist. "Die Dünen werden extra mit diesem Verschleißteil gebaut, damit sie bei Sturmfluten Sand in den Strand und Vorstrandbereich abgeben können. So wird den Wellen während der Sturmflut die Kraft genommen und anschließend steht der Sand zur Speisung des küstenparallelen Sedimenttransportes bereit. Anderenfalls würde der Strand schmaler und der Vorstrand tiefer und bei der nächsten Sturmflut kämen größere Wellen bis zu den Dünen und könnten diese durchbrechen", erklärte der Minister das Funktionsprinzip.

Insgesamt beträgt das Sedimentdefizit an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns ca. 500 000 Kubikmeter pro Jahr. Diese Menge muss der Küste regelmäßig durch Aufspülungen künstlich zugeführt werden.

Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Umwelt & Natur | Mi., 09.01.2019 - 14:30 Uhr | Seitenaufrufe: 74
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